Kommentar von Michael Gutmann zu den Texten von Joachim König

Werte Leserin,
werter Leser,

wir können Herrn König dankbar sein! Denn nur selten erreicht uns wohl ein derart ehrlicher, umfangreicher und durchgängiger Bericht über das Denken und Erleben eines Menschen inmitten unserer Gesellschaft. Zumal eines Denkens und Lebens in einer Szene, die sich nicht gerade durch umfangreiche Veröffentlichungen auszeichnet. Dabei entspricht dieses Denken in seinem Kern doch sicherlich der weit überwiegenden Meinung unserer Bevölkerung.

Die hier vorgestellten Texte sind im Zusammenhang zu sehen mit weiteren Veröffentlichungen von Joachim König auf seiner Website www.Joachim-Koenig.de. (U.a: Männliche Sexualität – Weibliche Sexualität)

Ist es ein schöner Bericht, ein erbaulicher Bericht, ein Bericht, den man in bürgerlichen Wohnzimmern gerne lesen möchte? All das wohl sicher nicht. Statt dessen ist es ein Bericht, aus dem man viel lernen kann, sofern man die richtigen Fragen stellt.

Und so stellt sich für uns alle, auch für Sie, werte Leserin, werter Leser,von Seite zu Seite die Frage: Diese beschriebene Welt und Gedankenwelt – Ist dies die Welt, in der wir leben wollen? Oder wollen wir lieber in einer anderen Welt leben. Falls ja – und ich bin mir sicher, dass die meisten von uns in einer anderen Welt leben wollen – sind wir herausgefordert, diese uns wertvollere Welt zu beschreiben, zumindest als Gegenentwurf zu skizzieren.

Wenn ein Autor einen Text veröffentlicht, so ist es stets vorderste philosophische Pflicht zu fragen: Warum hat der Autor diesen Text veröffentlicht?

Herr Königs Anliegen war, abgesehen von seinen Begründungen und Erklärungen, so zu schreiben, wie in eingesessenen Berlin-Neuköllner Stammtischen über die einzelnen Themen gesprochen wird. (Wir müssten eigentlich seinen ganzen Bericht in strengem Berliner Dialekt hören!) Herr König vertritt dazu: „So denkt die Mehrheit, vor allem mehrheitlich die Männer, auf die meine Arbeit  über den Sinn des Lebens am meisten abzielt! So denken weite Teile der Bevölkerung!“

Aus meiner ganz anderen Weltsichtweise stellt sich besorgt Skepsis ein: Dies ist doch nur das Denken eines Einzelnen oder einer kleinen bis kleinsten Gruppe! Interessant, weil offen, ehrlich, skurril, schräg, derb, manchmal menschenverachtend. Ernst genommen und zu Ende gedacht: Abscheu erregend! Aber kann ich mir da so sicher sein?

Denn ich muss doch zur Kenntnis nehmen: Herr König hat Recht! Dies ist mehrheitliches Denken! Zwar niemals zugegeben, doch die Angebote der Medienlandschaft beweisen eindrucksvoll, worin das überwiegende öffentliche Interesse besteht.

All dies, was Herr König beschreibt, will man aus bürgerlicher Sicht nicht wissen, nicht hören, nicht in den eigenen Gedanken wirken lassen und erst recht nicht erleben. Aus gutbürgerlicher Sicht kann die Bekenntnis zu diesem Denken auch gar keine weitere Verbreitung finden, weil mehrheitlich sicherlich moralische Abscheu und Ablehnung diesem Denken entgegenstehen. (Eine Heuchelei, die Herr König anklagt). Statt dessen schaut man es sich dieses Denken und seine Umsetzung lieber fasziniert im Fernsehen oder im Kino an; weit entfernt, als das Abscheu erregende Leben der Anderen, dem wir uns moralisch so weit überlegen fühlen können.

Herr Königs Bericht ist ein Bericht aus dem Ursumpf menschlicher Psyche! Es ist ein Denken, dem wir so rasch als möglich entfliehen sollten, sofern wir ein Leben in Harmonie und innerer und gesellschaftlicher Zufriedenheit leben wollen.

Das Besondere

Was ist das Besondere, der Kern der Lebens- und Weltsichtweise von Joachim König?

Es ist das „Erleben“! Es ist das Erleben – mit einer gedanklichen Schleife: Der Mensch erlebt nicht nur! Der Mensch „erlebt sich erlebend“. Diese eigenwillige, rein auf Emotionen begründete und in Emotionen begründete Selbstreflexion, die keine anzweifelnde Argumente zulässt, war mir zuvor weder aus der Philosophie noch aus der Psychologie bekannt.

„Der Mensch erlebt sich erlebend“

Aus Philosophie und Psychologie kennen wir den Menschen, der gedanklich über sein Erleben reflektiert und gedanklich sein Erleben nach seinen rationalen oder moralischen Wertmaßstäben bewertet.

Herr König aber vertritt ein Denken, das das „Erleben des Erlebens“ in den Vordergrund und als obersten Wertemaßstab vertritt.

Dieses Erleben des Erlebens, das wie ein Zeuge das Leben des Menschen begleitet, leitet und führt den Menschen durch sein Leben.

Es ist ein Bericht des Menschen, der sich spürt, wie er spürt; der sich in seinem Erleben erst selbst erlebt.

Dieser Mensch erlebt vorrangig nicht direkt, nicht spontan, nicht unmittelbar. Dieser Mensch erlebt sich selbst als „Erlebenden“. In einer emotionalen Selbstreflexion erlebt sich der Mensch in seinem Erleben. Sein Leben ist nicht erstrangig darauf ausgerichtet, etwas zu erleben. Es ist erstrangig darauf ausgerichtet, sich selbst als Erlebenden zu erleben!

Was ich anfangs für eine Marotte in Herrn Königs Schreiben hielt, entpuppte sich schließlich als der Kern seiner Selbstreflexion, seiner Weltsichtweise, seiner Lebensphilosophie.

Im Original liest sich das in Fragmenten und Begriffen dann zum Beispiel so:

  • „Orgasmuserlebung“
  • „… sich sexuell anders erleben ..,“
  • „ … warum wir uns so erleben …“
  • „ Wir würden uns dann wie die Schimpansen erleben“
  • „ … sie wollen sich selbst erleben …“
  • „ … orgasmuserlebend zu machen …“
  • „… Sexualitätserlebung …“
  • „ … erlebt sich nun eine neue Katastrophe“
  • „So erlebte ich also in einem Puff eine Geschlechtsehrenkränkung von Gästen.“

Kann ich mich annähernd verständlich machen, was ich meine. Hier in der Kürze sicherlich nicht. Aber Joachim Königs Texte sprechen ja für sich. Sie können ja, wenn Sie möchten, beim Lesen ein Augenmerk auf das Wort „erleben“ richten!

Perspektiven

In der Tat: Wir können Herrn König für seine Berichte dankbar sein. Zumindest die Philosophie, die Psychologie und die Psychotherapie können seinen Darstellungen sicherlich wertvolle Impulse für ein Verständnis menschlicher Erlebens- und Verhaltensmöglichkeiten entnehmen.

Michael Gutmann, Berlin, im August 2016


Joachim König: Das Erleben des Erlebens
Joachim König: Das Erleben des Erlebens

 

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